Vladislav Melnik

Co-Founder & CEO @ Chimpify

Meine Geschichte

Ich war schon immer ein kleiner Marketer.

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie meine Tante einmal meinte: „Mal bist du der kleine Junge, mal der große Erwachsene. Du stellst dich immer so ins rechte Licht, wie es dir gerade passt“.

Sie hatte recht. Richtig positionieren konnte ich mich scheinbar schon immer.

Auch hatte ich die Unternehmer-DNA von meiner Oma geerbt. Sie war zwar keine Unternehmerin, hatte aber eine Menge Entrepreneurial Spirit.

Mit 8 bekam ich meinen ersten PC mit Internet. Es eröffnete sich eine komplett neue Welt für mich.

Erste Projekte

So kam es dann, dass ich die brillante Idee hatte, alte PC-Teile von Freunden zusammenzusuchen, diese zu einem funktionierenden Computer zusammenzubauen und zu verkaufen.

War ein voller Erfolg. Mein einziger Verkauf ging an meine Tante. Die von eben.

Da ich schlecht im Zocken war, hatte ich auf LAN-Partys immer eine Menge Zeit. Deshalb brachte ich mir mit 14 Photoshop bei und fing an, viel für den E-Sport-Bereich zu designen.

Schnell kamen Firmenkunden auf mich zu. Daraufhin gründete ich ab 16 insgesamt drei kleine Agenturen: k6webmedia, TWOsign und bleibartig.

Aus der letzten Agentur heraus erschufen wir CONTAOTHEMES. Ein internationaler Theme-Marktplatz für das damals beliebte Contao CMS.

War alles nichts Großes. Ging nicht durch die Decke. Finanziell kamen ein oder zwei Tausend im Monat dabei rum. Aber ich Chaot steckte alles in meinen Roller! ;)

Rückblickend war das eine schöne Zeit. Eine schöne Erfahrung.

Klassischer Werdegang

Nach der Realschule machte ich ein kaufmännisches Fachabitur. Danach eine Ausbildung bei der Sparkasse in der IT. Die Kombination von Business und Technik fand ich schon immer geil.

Währenddessen habe ich nie aufgehört zu designen. War zwar eine doppelte Belastung. Dafür aber auch doppeltes Gehalt! ;)

Das Problem bei der traditionellen Bank waren die starren Strukturen, kaum Wachstumsmöglichkeiten und der sehr langsame Veränderungsprozess.

Das ist nicht meine Welt. Da werde ich depressiv bei.

Deshalb blieb ich nach der Ausbildung noch ein halbes Jahr da. Machte mich danach mit 21 als, war ja irgendwie klar, Designer selbständig und gründete die layout factory.

Schöne Selbstständigkeit

Der Alltag als Designer war echt nice: Ich malte viele bunte Bilder, hatte eine Menge Spaß und bekam dafür irgendwo zwischen 50-100€ die Stunde.

Aber es war nicht alles so rosig. Ich wollte weiter wachsen. Ich brauchte mehr Kunden. Also habe ich das gemacht, was mir als erstes in den Sinn kam: Kaltakquise! Aber mehr schlecht als recht.

Ich hasste die Kaltakquise!

Ich habe nicht daran geglaubt. Und glaube immer noch nicht daran. Es musste eine bessere Methode geben. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach einer Lösung.

Neue Marketingmethode

Ich habe damals wirklich einfach nach „how to win customers online“ gegoogelt. So kam ich dann ziemlich schnell auf Bloggen zur Kundengewinnung, Content Marketing und Inbound Marketing.

Ich war gefesselt. Das könnte Potenzial haben.

Ich sah eine Lücke im deutschsprachigen Markt. Es gab 2012 kaum große und starke Blogs. Und niemand hat einem gesagt, wie das mit dem Bloggen überhaupt funktioniert.

Deshalb erschuf ich den affenblog und fasste mit 22 den Entschluss, mich komplett dieser neuen Marketingmethode zu widmen.

Ich war naiv. Brannte alle Brücken hinter mir ab. Das hatte ich irgendwo gelesen.

Harte Zeit

Das Problem war nur, dass ich kaum Ahnung hatte, von dem, was ich tun wollte.

Also musste ich mir alles selbst beibringen. Ich habe etwas gelernt, es in der Praxis umgesetzt, Erfahrung gesammelt und dann darüber geschrieben.

Das war eine mega stressige Zeit. Es gab viele schlaflose Nächte.

Immerhin hing meine Existenz davon ab. Es war intensiv. Aber auch geil. Solche Situationen zeigen, aus welchem Holz du geschnitzt bist.

Rocket Internet

Parallel zum affenblog habe ich nebenbei ein BWL-Studium angefangen. Kann ja nicht schaden, dachte ich.

Hier war ein Praktikum vorgesehen. Zuerst wollte ich das beim affenblog machen. Habe mich dann aber dafür entschieden, die Chance zu nutzen, um etwas zu lernen.

Also ging ich zu den größten und aggressivsten Internetjungs in Europa.

Ganz ehrlich, ich war etwas enttäuscht. Ich hätte mehr Innovation erwartet. Aber es war nur eine Maschinerie, die mit Geld und Druck betrieben wurde. Keine Kunst.

Aber die Zeit dort hat sich gelohnt. Ich blickte hinter die Fassade. Ich sah, wie sie Startups im Rekordtempo hochziehen.

Egomäßig war das echt krass. Mit dem affenblog hatte ich damals schon ein kleines Standing und habe ganz gut verdient. Jetzt auf einmal war ich Praktikant. Aber das war der Preis, den ich zahlen musste.

Am Ende wollten die mich behalten. Aber ich hatte natürlich andere Pläne.

Schnelles Wachstum

Danach habe ich mich auf das Wachstums des affenblogs konzentriert. Zusätzlich holte ich Walter Epp und Gordon Schönwälder als Freelancer und Jonas Breuer als Partner ins Boot.

Zusammen haben wir den affenblog ohne Fremdkapital in drei Jahren zu Deutschlands größten Blog über professionelles Bloggen aufgebaut und ihn auf einen sechsstelligen Jahresumsatz gebracht.

Dabei hatten wir so krasse Wachstumssprünge von 250%, 500% und sogar 1.000% pro Jahr. Der Umsatz war zwar verhältnismäßig gering, aber hier erahnt man die Kraft dieser neuen Marketingmethode.

Ich wünschte, ich könnte dir mehr darüber erzählen. Aber wir haben im Prinzip nichts anderes gemacht, als über Jahre hinweg regelmäßig hochwertige Inhalte veröffentlicht und diese promotet.

Dennoch glaube ich, dass es keine überragende Leistung war. Aber ich wusste am Anfang überhaupt nicht, was ich tat. Dafür finde ich das wiederum gar nicht mal so schlecht.

Heute gibt es unzählige professionell geführte Blogs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und ich denke, wir haben ein großes Stück dazu beigetragen.

An diesem Punkt angekommen, stagnierte das Wachstum. Also suchte ich nach der nächsten großen Herausforderung. Das brauche ich, ansonsten fehlt mir der Reiz.

Rückwirkend betrachtet war das nicht so schlau. Ich hätte den Höhepunkt mehr genießen. Mich mehr ausruhen. Ein größeres finanzielles Polster aufbauen sollen.

Kleine Sinneskrise

Da ich nicht mehr wusste wohin, suchte ich mir Rat bei meinem ehemaligen Mentor, Benny Barth. Er half mir dabei, meine neue Herausforderung zu finden.

Während ich den affenblog aufgebaut habe, musste ich mich mit der Technik herumschlagen. Diese unprofessionelle Bastellösung mit WordPress und verschiedenen Drittanbietern fürs Inbound Marketing ging mir tierisch auf die Nerven. Als Krönung war das überladene WordPress Backend eine echte Qual.

Also suchte ich nach einer Lösung. Konnte aber nichts Brauchbares finden. Es gab zwar Plattformen, die alles fürs Inbound Marketing vereint haben. Aber sie waren für die Goliaths dieser Welt. Es gab keine Plattform für kleine Unternehmen, Startups, Solopreneure und Problogger. Weltweit noch nicht.

Deshalb beschloss ich, dass ich mich selbst darum kümmern werde. Ich sah wieder eine Lücke und gleichzeitig neue Herausforderung. Eine Software, wie für die Großen, die sich aber an die Bedürfnisse und den Geldbeutel der Kleinen richtet. Das wäre nobel.

Ich entwarf also ein Konzept. Stellte mir die Software vor meinem geistigen Auge vor: Schlicht, einfach, minimalistisch. Alles per Drag and Drop bedienbar.

Da ich nicht Coden kann, habe ich es mehreren Entwicklern gepitcht. Aber keiner hat sich getraut. Deshalb habe ich das Konzept erstmal ruhen gelassen.

Nur Chimpify

Wie das Schicksal es so wollte, zog der affenblog Nico Puhlmann an. Er war Entwickler und betrieb Stetic, eine Analytics-Software.

Wir kamen schnell ins Gespräch und stellten fest, dass wir beide einen Co-Founder suchen. Manchmal ist das Leben einfach magisch, oder?

Ich erzählte ihm von meiner Idee für eine Inbound-Marketing-Plattform für die Davids dieser Welt. Sofort waren wir Feuer und Flamme. Nach einigen Wochen haben wir dann einfach losgelegt.

Fast ein Jahr später waren wir mit der Entwicklung soweit, dass wir die erste Version von Chimpify launchen konnten. Da war ich 26.

Daraufhin haben wir den affenblog mit Chimpify fusioniert, weil das am meisten Sinn macht. Damit setze ich wieder alles auf eine Karte. Aber manchmal muss man das einfach tun.

Es war nicht leicht, den affenblog aufzugeben. Ich hatte ein gutes Standing. Einen schönen Umsatz. Jetzt bin ich wieder ein Nobody. Mit wenig Umsatz. Das ist hart.

Aber ich sehe uns als Aufsteiger in der Bundesliga. Mit Chimpify spielen wir bei den Großen mit. Außerdem ebnen wir den Weg zu etwas, das eine Menge Einfluss haben kann.

Steve Jobs sagte einmal, dass man die Punkte nur rückblickend verbinden kann. Ich habe das Gefühl, dass bei mir scheinbar alles aufeinander aufbaut. Es war schon immer mein größter Traum, ein Software-Startup zu gründen.

Das war auch meine ursprüngliche Idee: Ich gründe den affenblog, bringe ihn auf einen sechsstelligen Umsatz und suche mir einen Partner für eine Software. Hat, erstaunlicherweise, wirklich funktioniert! :)

Endlich bin ich angekommen. Jetzt heißt es, das neue Baby richtig zum Laufen bringen und danach groß machen.

Richtig groß.

To be continued …

8 Kommentare

  • Gut geschrieben. War sehr früh dabei und habe von dir, deinem Team, deinen Berichten auf dem Affenblog massiv viel lernen können.

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute, viel Kraft und vor allem: Gesundheit.
    Bleib dir selbst treu. Danke fürs Teilen deiner Gedanken und deiner Geschichte.

    Aus Frankreich
    Alexandros Tsachouridis Mondon
  • Hey Alexandros,
    danke dir! Freut mich riesig! :) Grüß zurück!
  • Puh, Vladislav! Deine Geschichte hat mich jetzt wirklich reingezogen! Ich lese dich schon lang und habe beim affenblog immer wieder was lernen können. Aber diese persönliche schlichte Erzählung hat mich sehr berührt. Wieviel Power da noch dahintersteckt kann man trotzdem nur erahnen. Danke, dür deine Ehrlichkeit, macht Mut :-)
  • Hey Marian,
    yeah, dann hab ich's ja noch drauf! :D Freut mich, danke dir!
  • Einfach klasse! Das hört sich an wie ein Märchen. Ich verfolge Deine Arbeit schon lange und mir gefällt was Du machst!
  • Hey Christian,
    haha, danke, danke!
  • Hey Vladi!
    Schöne und inspirierende Geschichte. :-)
    Ich bin auch im affenblog und affenbuch "zur Schule" gegangen.
    Danke dafür.
    Bleib inspirierend! ;-)
    Viele Grüße
    Pat
  • Hey Pat,
    danke dir! Mach ich! :)

Was denkst du?

© Vladislav Melnik • Powered by ChimpifyDatenschutzImpressum